Gewaltfreie Geburt als Auftrag

Pressemitteilung Berlin, 24. November 2020

Gewaltfreie Geburt als Auftrag

Hebammenverband fordert strukturelle Veränderungen anlässlich des Roses Revolution Day

„Ich habe Gewalt bei der Geburt meines Kindes erfahren.“ Dies symbolisiert am „Roses Revolution Day“ jede Rose, die vor einer Klinik abgelegt wird – wie jedes Jahr am 25. November. Für den Deutschen Hebammenverband (DHV) steht fest: Nur neue Strukturen und mehr Personal können Gewalt in der Geburtshilfe verhindern.

„Was immer eine Frau als übergriffig oder gewaltvoll empfindet, muss ernst genommen und vermieden werden“, sagt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Alle Beteiligten haben die Pflicht, jede Frau bei der Geburt ihres Kindes bestmöglich zu begleiten.“ Seit Jahren fordert der Verband einen offenen Umgang und einen gesellschaftlichen sowie politischen Diskurs zum Thema Gewalt in der Geburtshilfe. „Da ist noch ein ziemliches Stück Weg vor uns“, so Geppert-Orthofer.

Das Ziel ist: Geburtshilfe muss gewaltfrei, interventionsarm, sensibel und frauenzentriert sein. „Alle Entscheidungen des medizinischen Personals müssen für die Frauen in jedem Schritt nachvollziehbar sein“, führt DHV-Präsidiumsmitglied Andrea Ramsell aus. „Denn die psychischen und physischen Folgen für die Mütter, die keine selbstbestimmte Geburt erleben, wiegen teilweise schwer – auch für die Entwicklung des Kindes.“

Bereits seit Jahren macht der Verband auf strukturelle Fehlentwicklungen in der Geburtshilfe aufmerksam. Unter anderem führen starre Hierarchien im Kreißsaal sowie ein berufsübergreifender Personalmangel zu permanenter Überforderung und Stresssituationen. Die vielgewünschte Eins-zu-eins-Betreuung, bei der eine Hebamme die Geburt einer Frau vom Beginn bis zum Ende begleitet, kann deshalb oft nicht stattfinden.

Darüber hinaus veranstaltet der Verband Fort- und Weiterbildungen für eine gewaltfreie Geburtshilfe und stellt Informationsmaterial zur Verfügung – aktuell beispielsweise zur korrekten Ausführung des Kristeller-Handgriffs, der nur in Ausnahmen in der letzten Geburtsphase nach klaren Vorgaben zur Anwendung kommen sollte.

Weitere Informationen erhalten Sie im Positionspapier des Deutschen Hebammenverbandes „Keine Gewalt in der Geburtshilfe“ (Februar 2020) unter: https://www.hebammenverband.de/verband/berufspolitik/stellungnahmen/

Jahresveranstaltung der Fördervereins Normale Geburt e.V. 26.11.2020 14-17Uhr

Gespräch und Workshop zum Thema „Macht und Ohnmacht bei Gebärenden, Begleitpersonen und Geburtshelfer*innen“ live aus dem Geburtshaus Charlottenburg

26.11.2020 | 14-17 Uhr | Webinar per Zoom

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen (25.11.) lädt der Förderverein Normale Geburt e.V. zu einem Expertinnengespräch und Workshop ein. Eingeladen sind alle an der Geburt beteiligten Personen, um miteinander über die Umstände, Ausgangsbedingungen und Auswirkungen einer Geburtshilfe, die oft nicht die wesentlichen Grundbedürfnisse nach Selbstbestimmung, Würde, Zeit und Verbindung miteinander achtet in den Austausch zu gehen.

Wir möchten uns anlehnend an den Roses Revolution Day den Begriffen Macht und Ohnmacht rund um die Geburt widmen. Dabei rücken wir sowohl das Ausgeliefert sein und den Würdeverlust der Frauen und Partner*innen, als auch der begleitenden Fachpersonen innerhalb des Geburtshilfesystems in den Fokus.

Liebe Frauen, liebe Männer, liebe Hebammen und Ärzt*innen, liebe werdende Hebammen und Doulas, wir freuen uns Sie zu unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen, in der wir allen an einer Geburt Beteiligten die Möglichkeit geben:
– sich zu sensibilisieren, weiterzubilden und die eigene Macht und Ohnmacht zu reflektieren
– sich in geschütztem Rahmen zu Erlebtem auszutauschen
– sich Anregungen zu holen, wie sie sich gut vorbereiten und gestärkt in Schwangerschaft und Geburt gehen können

Programm:
Begrüßung und Einführung
Gespräch
Tanja Sahib (Systemische Traumatherapeutin) mit Birgit Brunner (Hebamme) Austausch in Gruppen Zuordnung thematischer Kleingruppen und Austausch zu einzelnen Fragestellungen in Break-Out-Sessions Jede Gruppe wird moderiert und begleitet Pause Austausch im Plenum Tanja Sahib und Birgit Brunner begleiten und moderieren den Austausch der Gruppen untereinander

Anmeldung:
Damit wir besser planen können, bitten wir um Anmeldung zusammen mit Angabe Ihres Hintergrundes (Fachperson, Betroffene*r, Interessierte*r) per Email an: info@normale-geburt.de oder online unter https://www.normale-geburt.de/events-1/macht-und-ohnmacht-bei-gebarenden-begleitpersonen-und-geburtshelfer-innen.

Teilnahmebeitrag:
Mitglieder des Fördervereins Normale Geburt e.V.: kostenfrei alle anderen Personen: 10€

Nach Erhalt des Teilnahmebeitrags per Überweisung oder Paypal erhalten Sie den Zoom-Link für die Veranstaltung.


Ihr Team des Fördervereins Normale Geburt e.V.